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Zink und Diabetes

Vielen gesundheitsbewussten Menschen ist die günstige Wirkung von Zink bei Erkältungskrankheiten bekannt und sie nehmen in der nasskalten Jahreszeit gerne Zinkpräparate ein, weil ihnen klar ist, dass dieses Spurenelement die gesamte Abwehrleistung im richtigen Sinn verstärkt und der Körper nur über einen kleinen Vorrat von 2 bis 4 Gramm Zink verfügt.

In dem gleichen Maße profitieren aber auch Menschen mit überschäumendem Immunsystem (Heuschnupfengeplagte), weil Zink auf die übergeordneten Überwachungszellen regulierend eingreift.

Ähnliche nur scheinbar widersprüchliche Anwendungsmöglichkeiten bieten Hauterkrankungen. Sowohl bei der Akne wie bei Neurodermitis wirkt Zink segensreich. Bei der Akne kann es die Entzündung bekämpfen und auch Einfluss auf die Talgproduktion nehmen. Bei der Neurodermitis reguliert es über die sog. T-Zellen das hochaktive Immunsystem herunter. Nicht zuletzt fördert Zink die Intelligenz und kann bei hyperaktiven Kindern zu einer Verbesserung der Konzentrationsleistung führen.

Zuckerkranke erleiden häufiger Infekte, sie haben Probleme mit ihrer Haut und verlieren zusätzlich Zink über den Urin. Trotzdem hat sich die geradezu zwingende Einnahme beim Diabetiker noch nicht durchgesetzt, auch wenn unlängst in einer vom Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren (ZAN) herausgegebenen "Ganzheitlichen Leitlinie zu Diabetes Typ II" ausdrücklich die Gabe von Zink empfohlen wurde.

Beim Gesunden wird Insulin von den Betazellen des Pankreas gebildet und in eben diesen Zellen wird Insulin als "Sechserpack" (Hexamer) zusammen mit einer unterschiedlichen Anzahl von Zinkatomen gelagert. Nach Entfernung dieses Minerals kommt es zu räumlichen Veränderungen der Insulinstruktur, was sogar zur geringeren Hormonwirkung führen kann. Umgekehrt führt die Zufuhr von Zinkionen zur erhöhten Bindung von Insulin an seinen primären Wirkort, dem sog. Insulinrezeptor.

Vor allem beim Patienten mit Diabetes Typ II und seiner sog. Insulinresistenz ist das ein erheblicher Vorteil: Obwohl zumindest anfangs erhöhte Insulinserumspiegel vorliegen, kann Glucose bedingt durch die verminderte Aktivität des Insulinrezeptors schlechter in die Zelle gelangen. Da neben dem Gehirn vor allem die Muskelzelle Glucose benötigt, erklärt es die zusätzliche günstige Wirkung von Trainingsmaßnahmen (unter Einbeziehung großer Muskelgruppen, beispielsweise Nordic Walking) auf die gestörte Glukoseverwertung.

Obwohl Zink gerade für den Zuckerkranken so wichtig ist, wird es im Urin vermehrt ausgeschieden und zusätzlich im Darm schlechter aufgenommen. Hinsichtlich der Ernährung wird dem Diabetiker zu Recht empfohlen, sich vollwertig zu ernähren, da Ballaststoffe den Zuckeranstieg im Blut bremsen und die Fettwerte reduzieren können. Bedauerlicherweise enthält aber gerade Fasergemüse Stoffe, die Zink im Darm binden und damit der Aufnahme entziehen.

Nachdem jetzt immer klarer wird, dass Freie Radikale wahrscheinlich auch die klassischen Folgeschäden hervorrufen, wie Koronare Herzerkrankung, Hochdruck, Polyneuropathie etc, hat sich die Bedeutung von Zink noch weiter erhöht.

In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse aus einem Therapiebericht von Piontek, Bad Soden-Salmünster (1998 bis 2002), erfreulich: 136 Patienten mit Diabetes mellitus, davon 7 mit Typ I und 129 mit Typ II, 21 davon wiederum mit Insulinresistenz, wurden in einer Rehabilitationsklinik über 12 Wochen neben intensiven Schulungsmaßnahmen, diätetischer Behandlung und unter psychologischen Gesichtspunkten zusätzlich mit niedrigdosiertem Zinkorotat (18,9 mg elementares Zink) behandelt. Als primärer Kontrollparameter diente eine mögliche Verbesserung des sog. Blutzuckergedächtnisses, des sog. HbA1c Wertes. Weiterhin wurde überprüft, ob sich eine Beeinflussung der Wundheilung, eine Glättung der postprandialen (= nach einer Mahlzeit auftretenden) Blutzuckerwerte, eine Durchbrechung der Insulinresistenz sowie ein Einfluss auf den Fettstoffwechsel nachweisen lässt.

Nur in der Zinkgruppe kam eine deutliche Abnahme des HbA1c Wertes zustande, u.z. sank der Anfangswert von 8,6 auf 6,9 %. Bei Patienten mit Insulinresistenz fielen die Werte von 9,7 auf 7,4 %. Zusätzlich ergaben sich eine Glättung der nach einer Mahlzeit häufig zu stark ansteigenden Blutzuckerwerte sowie eine geringfügige Verbesserung im Fettstoffwechsel.

Besonders wichtig ist schließlich die vernünftige Zufuhr von Zinkorotat während der Schwangerschaft und Stillzeit. Vor allem dem Kind im Mutterleib ist damit geholfen: durch rechtzeitige Zinkeinnahme lässt sich Minderwuchs, Schwerhörigkeit oder gestörte Abwehrfunktion sowie möglicherweise sogar das Zappelphilipp-Syndrom beeinflussen.

Zink muss, um all diese wertvollen Effekte zu erreichen, direkt in die Zelle gelangen und dabei hilft die Orotsäure. Die Orotsäure bietet ein zusätzliches Plus: Im Bereich der Aufnahmestelle im Darm sorgt sie für eine langsame, aber stetige Aufnahme. Experten bezeichnen das als Retardeffekt. Neueste Untersuchungen zeigen sogar, dass ausschließlich geringe Mengen an Orotsäure zusammen mit Zink ausreichen, um das Immunsystem des Menschen effektiv zu regulieren.

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