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Kryotherapie (Kältetherapie)

Das Wissen um die analgetische Wirkung von Kälte ist so alt wie die Menschheit selbst. Hinweise auf Kälte zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte finden sich bereits in den Aphorismen des Hippokrates. Später wandten z.B. der französische Chirurg D.J. Larrey, der englische Internist W. Hunter und Sebastian Kneipp die Kälteanwendungen mit großen Erfolgen an.

Der wirkliche Durchbruch der Kryotherapie gelang jedoch erst mit der Verwendung von Peltierelementen, deren Kühlleistung elektrisch geregelt wurde, sowie der Kombination aus Kälte und niederfrequenten Strömen.

In der jüngsten Zeit erobert die Kältetherapie viele medizinische Praxen, seit Mediziner mit wissenschaftlich fundierten Forschungsergebnissen aufwarten und zuverlässige Kryotherapie-Geräte auf dem Markt angeboten werden.

Auswirkungen der Kälte

Zur Erklärung der Kältewirkung ist es sinnvoll, physiologisch und therapeutisch nutzbare Wirkungen organbezogen einzuteilen:

A. Neuromuskuläres System

1. Analgetische Wirkung

  • Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • Dämpfung der Schmerzfasern infolge Membranstabilisierung
  • Counter irritation A-delta-Fasern
  • Refraktärzeitverlängerung
  • Blockierung freier Nervenendigungen

2. Detonisierende und antispastische Wirkung

  • Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • Herabsetzung der Akkomodationsfähigkeit
  • Verlängerung der Latenzzeit, der Kontraktionszeit und der Erschlaffungszeit der Muskelfaser
  • Herabsetzung der Spinal- und Motoneuronenaktivität
  • Minderung der gamma-Aktivität und Steigerung der alpha-Aktivität

B. Herz-Kreislauf-System/Lymphe

1. Antiödematöse Wirkung

  • Verminderung der Durchblutung durch Arteriolenkonstriktion
  • verminderter Kapillardruck
  • venöse Druckerhöhung

C. Metablolisches-/Hormonsystem

1. Antiphlogistische Wirkung

  • verminderte Zufuhr von Sauerstoff, Nährstoffen und korpuskulären Elementen
  • verminderter Abstrom der Sauerstoffwechsel-Endprodukte
  • Bildung lokaler vasoaktiver Stoffe
  • Erhöhung der Viskosität im Gewebe/Synovia
  • Herabsetzung der Lymphproduktion

2. Antiödematöse Wirkung

  • Minderung der Aktivität von entzündungsvermittelnden/-modulierenden Substanzen
  • Minderung der Aktivität der immunologischen Teilschritte der Entzündungskette
  • Aktivitätsminderung von Enzymen
  • kälteinduzierte Stimulation der Prostaglandinsynthese (Schmidt 1979)

Kurze Kälteanwendungen wirken gefäßverengend, daher anregend auf das Herz-Kreislauf-System und blutdrucksteigernd. Die Atmung reagiert darauf mit einer tiefen Inspiration und Verlangsamung. Längere Kälteanwendungen bewirken das Gegenteil und fördern die Detonisierung der Skelettmuskulatur.

Indikationen

Besonders gute Behandlungsergebnisse erzielt man bei allen sog. "heißen" Schwellungen, Sportverletzungen, akuten und chronischen Schmerzen, Bandscheibenprolaps, postoperativ u.v.m. Bei den meisten Patienten mit Bandscheibenvorfall konnte nach kontrollierten Kälteapplikationen sogar ein operativer Eingriff vermieden werden!

Außerdem sprechen sehr gut auf die Kryotherapie Weichteilentzündungen, chronische Polyarthritis, Myogelosen, Schleimbeutelentzündungen, Hämatome, Muskelrupturen, Arthrosen, postoperative Zustände mit Analgesien, Muskeldetonisationen und Ödemprophylaxe an.

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